Analatresie
Bei der Analatresie handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung des Enddarms. Dabei ist der After nicht oder nicht vollständig angelegt. Das bedeutet, dass der Darmausgang entweder komplett fehlt oder an einer falschen Stelle endet. Verbunden ist der verschlossene Darm oft mit einer Fistel zu Harnröhre, Damm, Blase oder Vagina. Die Analatresie äußert sich bei Neugeborenen durch einen fehlenden Darmausgang. Zudem ist kein Abgang von Mekonium (Kindspech) in den ersten 24 bis 48 Stunden erkennbar und auch der Bauch ist durch die Stuhlansammlung aufgetrieben. Ist eine Fistel vorhanden, kann der Stuhl nur über eine falsche Öffnung abgehen.
Die genaue Ursache einer Analatresie ist weitgehend unklar. Es handelt sich jedoch um eine Fehlentwicklung während der Embryonalzeit, die meist schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft auftritt.
Formen der Analatresie
Die Analatresie weist verschiedene Formen beziehungsweise Schweregrade auf. Die tiefe Analatresie kennzeichnet sich durch einen verschlossenen Anus, der jedoch nahe der normalen Position liegt. Endet der Enddarm weiter oben im Becken und ist nicht mit der Haut verbunden, spricht man von einer hohen Analatresie. Zusätzlich können Fisteln zu anderen Organen bestehen. Die dritte Form beschreibt einen Schweregrad der Analatresie, bei der eine Verbindung (Fistel) zum Harntrakt oder Genitaltrakt besteht.
Analatresie: Behandlung
Die Analatresie-Behandlung sieht eine operative Korrektur vor. Die Art der Operation hängt dabei vom Schweregrad der Analatresie ab. Bei leichten Fehlbildungen wird der Anus durch eine kleine OP an der richtigen Stelle eröffnet, während bei schweren Fällen eine komplexe Rekonstruktion notwendig wird. Manchmal kann die Behandlung in mehreren Schritten erfolgen, einschließlich Anlage eines vorübergehenden künstlichen Darmausgangs.
Analatresie: Lebenserwartung & Spätfolgen
Wird die Analatresie frühzeitig erkannt, ist die Lebenserwartung in der Regel nicht eingeschränkt. Eine fachgerechte Behandlung der Analatresie ist mitunter ausschlaggebend für die Lebenserwartung. Die Lebenserwartung wird als normal eingestuft, wenn Operation und Nachsorge erfolgreich verlaufen.
Wird die Analatresie jedoch von schweren Erkrankungen begleitet, kann die Lebenserwartung verkürzt sein. Entscheidend ist hierbei die Schwere der Fehlbildung und der begleitenden Anomalien (Abweichungen). Die Analatresie kann beispielsweise in Kombination mit dem VACTERL-Syndrom auftauchen, bei dem Fehlbildungen in verschiedenen Regionen des Körpers wie Wirbelkörper, Herz, Gliedmaßen oder Luftröhre entstehen können. Ist dies der Fall, kann die Lebenserwartung aufgrund schwerer Begleiterscheinungen beeinträchtigt sein. Dies liegt dann jedoch an den zusätzlichen Erkrankungen und nicht primär an der Analatresie.
Auch nach einer erfolgreichen Behandlung können langfristige Komplikationen auftreten. Als häufigste Langzeitfolge gelten Stuhlinkontinenzprobleme. Ursächlich können eine Nerven- oder Muskelbeteiligung am Beckenboden oder eine suboptimale Anuslage sein. Die Probleme können von gelegentlichem Einkoten bis zur vollständigen Inkontinenz reichen. Häufige Spätfolge bei einer niedrigen Analatresie können Verstopfungen sein, da die Darmbewegung gestört ist oder anatomische Engstellen vorliegen können. Weiterhin können sich nach einer Operation Fisteln oder narbige Engstellen bilden oder Harnwegsprobleme entstehen, bei denen es zu Infektionen oder Inkontinenz kommen kann.
Jede potenzielle Spätfolge kann durch verschiedene Behandlungsformen verbessert werden. In manchen Fällen können konservative Therapien eine Besserung erzielen. In anderen Fällen ist ein weiterer operativer Eingriff notwendig.




