Gerinnungsstörung
Bei einer Gerinnungsstörung, auch Koagulopathie genannt, ist die normale Blutgerinnung gestört. Normalerweise sorgt die Blutgerinnung dafür, dass das Blut bei Verletzungen schnell verklumpt und die Blutung somit gestoppt wird. Bei einer Gerinnungsstörung funktioniert dieser Prozess jedoch nicht richtig. Entweder gerinnt das Blut zu langsam und es kommt zu ungewöhnlich starken oder langanhaltenden Blutungen, oder es gerinnt zu schnell, wodurch das Risiko für gefährliche Blutgerinnsel erhöht wird. Diese zwei Arten der Gerinnungsstörung werden auch als Blutungsneigung (Hypokoagulation) und Thromboseneigung (Hyperkoagulation, Thrombophilie) bezeichnet. Sie unterscheiden sich wie folgt:
Blutungsneigung: Bei dieser Form gerinnt das Blut zu langsam oder gar nicht. Dies kann angeboren sein, wie bei der Hämophilie (Bluterkrankheit) oder dem Von-Willebrand-Syndrom. Die Blutungsneigung kann aber auch erworben sein, beispielsweise durch Lebererkrankungen, Vitamin-K-Mangel oder bestimmte Medikamente wie Blutverdünner. Diese Form der Gerinnungsstörung kann sich durch Symptome wie häufige blaue Flecken, gehäuftes Zahnfleisch- oder Nasenbluten sowie ungewöhnlich starke Menstruationsblutungen äußern.
Thromboseneigung: Anders als bei der Blutungsneigung verhält sich die Blutgerinnung bei der Thromboseneigung überaktiv. Das bedeutet, dass sich ohne ersichtlichen Grund Gerinnsel in den Gefäßen bilden. Solche Blutgerinnsel können Arterien und Venen verstopfen und zu Embolien und Thrombosen oder sogar zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Lungenembolien oder Schlaganfällen führen. Eine angeborene venöse Gerinnungsstörung wie das Faktor-5-Leiden oder Risikofaktoren wie Rauchen, Hormonpräparate oder lange Bettlägerigkeit können ursächlich sein.
Gerinnungsstörung in der Schwangerschaft
Während einer Schwangerschaft verändert sich das Blutgerinnungssystem auf natürlich Weise, um sich auf mögliche Blutverluste während der Geburt vorzubereiten. Dadurch nimmt die Gerinnungsfähigkeit des Blutes leicht zu. Bei manchen Frauen liegt jedoch eine Gerinnungsstörung vor, die zu ernsten Komplikationen führen kann. Eine Gerinnungsstörung in der Schwangerschaft kann sich sowohl in einer Thrombophilie als auch in einer Blutungsneigung äußern.
Diagnose und Behandlung von Gerinnungsstörungen
Gerinnungsstörungen können durch spezielle Bluttests diagnostiziert werden. Dabei wird auf Werte wie Thrombozytenzahl, INR-Wert (International Normalized Ratio) oder die aPTT (aktivierte partielle Thromboplastinzeit) geachtet. Bei Verdacht auf vererbbare Störungen können auch genetische Untersuchungen notwendig sein.
Die Behandlung einer Gerinnungsstörung richtet sich nach der Art der Störung. Bei Blutungsneigung können fehlende Gerinnungsfaktoren ersetzt oder zusammen mit Vitamin K verabreicht werden. Bei erhöhter Thromboseneigung kommen häufig Gerinnungshemmer zum Einsatz, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern.




